Coburger Schülerverbindung Ernesto-Albertina bezieht neues Verbindungsheim

Es ist wohl nicht alltäglich in der Korporationsszene: Eine Schülerverbindung feiert Einzug in ihr neues Couleurhaus. So geschehen im Oktober 2004 im schönen oberfränkischen Coburg. Die an der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt, dem Ernst-Albert-Seminar, am 12. Juni 1920 gegründete und am heutigen musischen und neusprachlichen Gymnasium Albertinum beheimatete Ernesto-Albertina residiert ofiziell seit diesem Zeitpunkt vom Adamiberg mit herrlichem Blick auf das traulich im Tal gelegene mittelalterliche Städtchen und der gegenüber stolz aufragenden Veste Coburg.

Das Grundstück selbst hat am 7.7.1727 die Witwe Catharina Ketschenbach über ihren Sohn, den Weißgerbermeister Johann Georg Ketschenbach, zu Lehen empfangen. U.a. über den Namensgeber des Adamiberges und der Adamistraße, den Handelsmann Johann Andreas Adami, kam es 1844 in den Besitz des Geheimen Oberfinanzrats Albert Friedrich Schnür, der dort 1862 vom Herzogl. Sächs. Staatsministerium die Zustimmung zum Bau eines Pavillons erhielt. Über das Innere des schmucken Gartenhauses erfahren wir Näheres aus dem Jahr 1877: „Der Pavillon ist lediglich für gesellschaftliche Zwecke bestimmt; derelbe besteht aus einem großen Salon mit 6 großen Doppel-Logen-Fenstern und 2 kleineren Räumen, die jedoch nicht groß genug sind um darin wohnen zu können resp. daß ein Haushalt darin geführt werden kann, dagegen geht demselben ein Abort, ein Holzstall und eine Waschgelegenheit ab... Bezüglich der Heizvorschriften bemerke ich, daß der Pavillon im Sall einen weißen Porzellanofen enthält, der bloß zur Dekoration bestimmt ist.“ Nach weiteren Eigentümern erkauft schließlich am 30.5.1917 die Stadtgemeinde Coburg das Anwesen.

Als Unterzeichneter im Februar 2004 auf einem zufällig auf diesem Haus stattfindenden Stammtisch erfuhr, dass die bisherige Mieterin, e.v. Technische Vereinigung Coburgia, sich ein eigenes Verbindungshaus gekauft habe, entwickelte Ernesto-Albertina ungeahnte Energie. Die Verhandlungen mit der Stadt Coburg gestalteten sich für den 1. Vorsitzenden des AHV, Dr. Thomas Kunze, und vor allem den 2. Vorsitzenden, Peter Schrickel, als sehr langwierig und nicht immer ganz einfach. Doch schließlich gelang am 20.9.2004 die Unterzeichnung des Mietvertrages von beiden Seiten. Nun traten zahlreiche gute Geister auf den Plan. Der Architekt Klaus Konietzko, Landsmannschaft Franco-Borussia Coburg, Landsmannschaft Alemanno-Bavaria Nürnberg im CC, prüfte eingehend die Bausubstanz des nicht mehr ganz jungen Häuschens. Farbenbruder Lothar Franzke, Ingenieurverbindung Hildburgia Coburg, gestaltete künstlerisch perfekt das Verbindungswappen im Kneipraum und an der Außenfassade. Der Vater des hohen Erstchargierten, Herr Christian Haugwitz, stellte nicht nur sämtliches Werkzeug zur Verfügung, sondern sorgte auch für den Einbau einer neuen Barplatte. Und die Couleurdamen, allen voran Nicole Schrickel, gaben den Aktiven gehörig Fuxenstunden bezüglich Reinlichkeit und Wohnlichkeit. Unter Trompetenklängen wurde schließlich am 27. November die schwarz-silber-rote Fahne vor dem Hause gehisst. Bei der anschließenden offiziellen Einweihungsfeier drohte das kleine Schmuckstück jedoch vor Überfüllung beinahe aus allen Nähten zu platzen. Möge es vielen Generationen von Bundesbrüdern und ihren lieben Gästen eine Wohnstatt des Frohsinns und der Entspannung sein.

PS: Zum Wohnen ist das Häuschen auch heute nicht gedacht. Der geneigte Leser darf jedoch beruhigt sein: Toiletten und Waschgelegenheiten sind heutzutage – frisch renoviert – vorhanden. (Alle Angaben zum Haus aus: Helmut Wolter, Das Häuserbuch der Stadt Coburg 1400-1945, Band I, Adamistraße, Ahorner Straße, Obere Anlage, Untere Anlage, Hilburghausen 2001)

Studenten-Kurier 2/05 - Peter Engelhardt

 

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