Schüler machen Weg barrierefrei

Ernesto-Albertina | Rollstuhlfahrerin glücklich: Schülerverbindung hilft in den Pfingstferien bei Erdarbeiten

Coburg – In den Pfingstferien kräftig schuften, ohne einen Cent dafür zu bekommen? Für viele Schüler kommt das nicht in die Tüte. Doch für zwölf Mitglieder der Coburger Schülerverbindung Ernesto-Albertina ist es Ehrensache, sich unentgeltlich für Mitmenschen ins Zeug zu legen. Das Dutzend startet in der zweiten Ferienwoche im Hörnleinsgrund 4 die Aktion »Wir machen den Weg barrierefrei«. Damit erfüllen sie der an den Rollstuhl gefesselten Elvira Stoll einen Herzenswunsch.

»Dadurch, dass die jungen Männer sich spontan bereit erklärt haben, ist der Ausbau des Weges für mich überhaupt erst finanzierbar«, freut sich die 53-jährige riesig. Schließlich sei es nicht selbstverständlich, dass Schüler ihre Pfingstferien für eine Rollstuhlfahrerin opfern. Zumal das, was auf dem Grundstück im Hörnleinsgrund 4 alles gemacht werden muss, um den Weg von der Haustür bis zur Straße barrierefrei ausbauen zu können, mit Sicherheit kein Zuckerschlecken werden dürfte.

Damit Elvira Stoll ohne fremde Hilfe im Rollstuhl vom Haus beispielsweise das Auto erreichen kann, muss der 40 Meter lange Weg vom Höhenniveau her nicht nur »tiefergelegt«, sondern auch verbreitert werden. Außerdem sind umfangreiche Erdarbeiten erforderlich, um den Pkw-Stellplatz von der steilen Böschung auf das Grundstück zu verlegen.

An eben diesen zeitintensiven und kostspieligen Vorarbeiten ist der barrierefreie Ausbau bislang gescheitert. »Mein Mann arbeitet kurz und ich bekomme nur Krankengeld«, so Elvira Stoll. Deshalb sei sie der Schülerverbindung Ernesto-Albertina »mehr als dankbar«, denn nun reiche das ersparte Geld, um Platten, Splitt und Sand kaufen zu können, zumal sich auch die Vermieterin an den Kosten beteilige.

»Eigentlich hatten wir das Vorhaben schon längst wieder abgeschrieben«, berichtet die 53-jährige, deren Leben sich am 12. April vergangenen Jahres ohne Vorwarnung grundlegend veränderte. Bis dato hatte sie gearbeitet, drei Kinder geboren und stand »voll im Leben«. Ein Tumor in der Halswirbelsäule verursachte eine Blutung, die wiederum Nerven einklemmte. Seither ist sie bis zum Schlüsselbein gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Um die zahlreichen Arzt- und Therapietermine ohne fremde Hilfe wahrnehmen zu können, ersuchte sie wegen des barrierefreien Wegs um Hilfe beim Liegenschaftsamt und beim CEB. Stoll: »Beide haben sich die Situation angeschaut und hätten auch geholfen. Doch leider waren ihnen die Hände gebunden, da es sich um ein Privatgrundstück handelt.«

Keine guten Erfahrungen hat sie indes mit der Regierung von Oberfranken gemacht. »Dann ziehen Sie doch einfach um«, habe ihr die Sachbearbeiterin kurz und bündig am Telefon mitgeteilt, ohne die eigentliche Situation zu kennen. Das hat Elvira Stoll tief getroffen: »Ich will doch auch leben und nicht so mir nichts, dir nichts abgeschoben werden.«

Neue Presse Coburg, 29.05.2009

 

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