Warum die Mauer entstand

Festrede anlässlich des Kommerses zum Tag der Deutschen Einheit am 17.04.2004 von

AH Nuschl

 

Hohes Präsidium,

verehrte Festkorona,

Nachdem in den letzten Jahren zu diesem Kommers schon oft über die „Deutsche Einheit“ gesprochen wurde, möchte ich aus Anlaß des 14. Jahrestages eben dieser auch einmal über die „Deutsche Teilung“ einige Worte verlieren.

Nach einigen kleinen Worten zur Vorgeschichte, werde ich zur eigentlichen Teilung Deutschlands kommen und hierbei von der Abspaltung des Ostens bis zum Bau der Berliner Mauer gehen. Danach möchte ich die inneren Abläufe in der DDR beleuchten. Abschließend werde ich noch die weltpolitischen Umstände, die zur Teilung Deutschlands betrugen, aufzeigen.

Doch kommen wir zunächst einmal zur Vorgeschichte. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges am Mai 1945 war Deutschland zunächst in vier Besatzungszonen aufgeteilt, Deutschland lag in Schutt und Asche. Im Juli ´45 zogen sich die Westmächte hinter die auf der Konferenz von Jalta vereinbarten Grenzen zurück, vereinten daraufhin ihre Besatzungszonen als Schutzschild gegen den Kommunismus. Nachdem auf den Westgebieten am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet hatte, wollte der Osten dem in nichts nachstehen. Am 7. Oktober 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik gegründet, ein erster Schritt zur Teilung war getan.

Doch die Menschen im Osten erkannten schnell, daß es im Westen besser zu leben war, die Republikflucht begann. In den Jahren 1945 bis 1961 verließen rund 2 Millionen Menschen die sowjetische Besatzungszone. So mußte die Grenze besser abgesichert werden, um die Leute im Land zu behalten – der uns wohl allen bekannte Todesstreifen entstand. Er sollte bis zum seinem Ende über 1000 Menschenleben kosten.

Doch eine offene Stelle gab es noch: Berlin.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war diese Stadt nicht von den westlichen Alliierten geräumt worden, sondern ebenso wie das restliche Deutschland in Sektoren aufgeteilt. Dies war der Sowjetunion ein Dorn im Auge, hatten die Westmächte doch so eine Basis im eigenen Land. Deshalb versuchte die Sowjetunion schon am 24. Juni 1948 Westberlin zu annektieren. Dazu wurde der Strom abgestellt, Bahn- und Straßenverbindungen blockiert. Nur durch die Luftbrücke, die die damals als so heldenhaft gepriesenen Amerikaner eingerichtet hatten, gelang es, die „Stellung zu halten“.

Um weiteren Flüchtlingsströmen gen Westen vorzubeugen, beschloß die Regierung der DDR – einzig gebildet aus der SED – eine Mauer durch Berlin zu ziehen. Auch wenn Walter Ulbricht noch am 15. Juni 1961 gesagt hatte, daß „keiner die Absicht hat, eine Mauer zu errichten“, so wurde sie am 13. August 1961 doch bittere Realität. Zugleich wurde die Republikflucht unter Strafe gestellt.

Doch was war bis dahin schon alles im Inneren geschehen? Wie konnte es überhaupt soweit kommen, daß ein Volk auseinandergerissen wird?

Nicht erst seit der Oktoberrevolution von 1917, aber im Besonderen seit diesem Zeitpunkt, baute sich eine Spannung zwischen dem Osten und dem Westen auf. Im Osten herrschte der Kommunismus. Wo es noch nicht so weit gekommen war, gab es nur den Sozialismus, als Vorform der die „Utopie der idealen Welt“, wie Marx den Kommunismus bezeichnete.  Einhergehend mit diesem kam es auch zu einer Art Diktatur, die freie Meinung wurde abgeschafft, Zensur war staatserhaltend – und das alles zum Wohle der gesamten Menschheit, wohlgemerkt!

Im Westen dagegen wurde nicht die Masse Mensch gesehen, sondern der Mensch als Individuum. So war die Demokratie die Regierungsform der Wahl, der Kapitalismus Ausdruck für das Streben des Menschen nach Freiheit.

Als Zentrum der jeweiligen Weltanschauungen kristallisierten sich schnell die Vereinigten Staaten und Rußland heraus.

Am Ende des zweiten Weltkrieges war die Furcht nach einem erneuten Krieg – diesmal zwischen dem Osten und dem Westen – besonders hoch. So war es wenig verwunderlich, daß sich beide Parteien gerade das hilflos am Boden liegende Deutschland zu Nutze machten, um hier ein Pufferzone zu schaffen.

So wie die Alliierten schnell versuchten, die Demokratie nach Deutschland zu bringen, so versuchte die Sowjetunion, den Kommunismus über die DDR zu stülpen.

Schnell wurden antifaschistisch-sozialistische Parteien erlaubt, die SED entstand schon im Jahre 1948 aus der KPD und der SPD. Sie bezeichnete sich als „Partei der Arbeiterklasse“. Nicht nur das die SED die Wahlen mehr oder weniger manipulierte, sie besaß auch ein per Verfassung festgelegtes Recht, die Ziele und Inhalte der gesellschaftlichen Entwicklung der DDR zu bestimmen.

Was dies für die Freiheit der Menschen, gerade aber auch für das Korporationsleben bedeutete, dürfte wohl jedem von uns bekannt sein.

Das Geschick der Partei zu lenken oblag nun aber nicht etwa den Mitgliedern der Partei – zum Ende der DDR zählte sie immerhin 2,3 Millionen Mitglieder – sondern beim Politbüro, einer Gruppe hochrangiger Parteifunktionäre. Parteimitglieder, die deren Kurs nicht mitmachten, wurden aus der Partei ausgeschlossen, konnten aber auch schon mal mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen.

In den 50er Jahren begannen so Säuberungsaktionen, wie sie vorher bereits in der Sowjetunion erfolgreich praktiziert wurden. Gerade Akademiker, die dem gesamten System kritischer gegenüberstanden als wohl die breite Masse des Volkes, wurden verfolgt und eingesperrt.

Doch auch ihrem eigentlichen Klientel, der Arbeiterschaft, konnte die SED nicht immer gerecht werden. So kam es z.B. am 17. Juni 1953 zu einer Arbeiteraufstand, ausgelöst durch Erhöhung der Arbeitsnormen. Dieser wurde blutig, mit Panzergewalt, niedergemacht.

Doch so froh die Partei teilweise über die Emigration einiger „Staatsfeinde“ war, so besorgt mußte sie doch über die eingangs erwähnte Republikfluch der breiten Masse sein.

Der „antifaschistische Schutzwall“, wie die Grenze im DDR- Jagon hieß war zwar schier nicht zu überwinden, man wollte aber möglichst schon im Vorfeld verhindern, daß ein Fluchtversuch zustande kam, erregte dies doch auch jenseits der Grenze Aufsehen.

So kam es im Jahre 1950 zur Gründung der Stasi, dem Ministerium für Staatssicherheit. Hier wurde mit teilweise brutalsten Methoden verhört und auch massiv abgehört – hier darf man die Stasi sicher mit der GeStaPo des 3. Reiches vergleichen. Doch bei alle dem sollte dies ja eigentlich dem Schutz der Menschen in der DDR dienen.

Aber wie kann Freiheitsberaubung und Eindringen in die Privatsphäre sowie die Einschränkung der Meinungsfreiheit dem dienen? Man kann mit Recht behaupten, daß die DDR ihre eigenen Bürger als Verbrecher behandelte, speziell da sie jedem zutraute, in den Westen „überzulaufen“. Nur so gibt es auch eine Rechtfertigung für oben genannte Punkte.

Aber alles in allem wollen wir den Bogen nun weiter spannen. Denn warum kam es überhaupt zur Teilung Deutschlands? Wollte das Volk dies etwa? War der zweite Weltkrieg eine Rechtfertigung für diese Trennung? Nein, die Deutschen trifft hier meines Erachtens keine Schuld. Vielmehr war es doch so, daß die Spannung zwischen Sowjetunion und USA auf dem deutschen Boden entladen wurden. So hofft die Sowjetunion etwa nach Ende des zweiten Weltkrieges, ihr Machtgebiet bis an den Rhein ausbreiten zu können. Gleiches galt auch für die Amerikaner. Nicht erst seit dem Irakkrieg wissen wir, daß den USA wohl jedes Mittel recht ist, um ihren Willen durchzusetzen. So ja auch die Berliner Luftbrücke. Ob hier die USA wirklich uneigennützig zum Wohle der Leute in Westberlin gehandelt hat, wage ich zu bezweifeln, hatte man mit dem Westsektor doch eine Basis im Land des Feindes. Doch die Sowjetunion war natürlich nicht besser. Auch sie nutzte die DDR, um in den Westen zu schauen.

So wurde der kalte Krieg zwar zwischen den USA und der Sowjetunion ausgetragen, doch eigentlich fand er auf dem Boden unseres Vaterlandes statt. Die Wut beider Parteien entlud sich auf die Verlierer des zweiten Weltkrieges. Bis zu einem geeinten und souveränen deutschem Vaterland sollte es noch viele Jahre dauern. Und auch heute, 14 Jahre nach dem Fall der Mauer, sind wir von einem wirklich einigen Land weit entfernt, viele wünschen sich sogar die Mauer wieder. Aber wie es schon im Lied der Deutschen heißt „Einigkeit und Recht und Freiheit, für das Deutsche Vaterland“. Also wollen wir gemeinsam für die Einheit kämpfen, auch wenn es in dieser Zeit sehr schwer erscheint. Und sehen wir unser Ziel vor Augen: ein blühendes deutsches Vaterland.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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