TOTENEHRUNG ZUM 89. STIFTUNGSFEST

Rede anlässlich des 89. Stiftungsfestes am 25.07.2009 von

Bursch Frag

Liebe Bundesbrüder!

Wie jedes Jahr stehen wir an einem Stiftungsfest hier, am Pausenhof des Gymnasiums Albertinum, am Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Aber warum stehen wir überhaupt hier, wenn man doch eigentlich viel lieber auf unserem Haus bei einem Glas Bier und mit Blick auf die Veste über die alten Zeiten plaudern würde? Das ist auch ein Teil dieses Bundes: wir halten zusammen, auch über den Tod hinaus! Tod wird in unserer Gesellschaft ein Thema, das nicht mehr öffentlich stattfindet. Für viele Leute ist dadurch Trauer und Abschied noch viel schwerer geworden. Doch genau wir als Verbindung, die wir gerade ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl besitzen, können genau da einspringen. Wir versuchen, vor allem bei verstorbenen Bundesbrüdern und Bundesbrüdern, die jemanden verloren haben, zu helfen, die Trauer zu überwinden. Somit sollten wir auch eben die Verstorbenen in Ehren halten und an sie denken. Denn so bleiben die, die wir verloren haben, immer in unseren Herzen und Gedanken. Diese Menschen, um die es heute geht, haben ihr Leben in einer Zeit gelassen, die ich persönlich, und auch wohl ein Großteil der hier Anwesenden nur noch aus Geschichtsbüchern kennt: Die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Auch hier sollten wir diesen Menschen, besonders, wenn man die Umstände ihres Todes betrachtet, gedenken. Sie sind Gefallene in Kriegen, und somit steht ihr Tod auch für eine Mahnung: Eine Mahnung für den Frieden! Vor allem diese Kriege waren die ersten ihrer Art und zeigten, was technisch hochgerüstete Kriege anrichten können. Politisch war die Welt schon so weit zusammen gewachsen, dass ein Krieg die ganze Welt beeinflussten konnte, ja sie sogar hineinziehen konnte. Und auch technisch gesehen war bereits der Erste Weltkrieg ein Ereignis, das man durchaus als Tötungsmaschinerie bezeichnen kann und in der man zum ersten Mal sah, was Maschinengewehre gegen anstürmende Infanteristen anrichten konnten!

Das Ende dieses Krieges ging für die Deutschen allerdings nicht so rosig aus: Auch der „Friedensvertrag“ von Versaille, oder nennen wir gleich das ganze Paket beim Namen, Pariser Vorortverträge, schafften leider keinen dauerhaften Frieden. Nach neuester Geschichtsforschung hätte sogar der Vietnamkrieg hier schon verhindert werden können, wie wir alle wissen kam es nicht dazu. Wichtig ist für uns jetzt allerdings nur, dass Deutschland sich durch diesen Vertrag stark benachteiligt fühlte. Und obwohl die angeblich so hohen Reparationszahlungen nicht den Tod der noch jungen Republik herbeibeschworen hätten, wurden sie dennoch als Belastung angesehen, wenn nicht sogar als Todesurteil, wenn man die Gebietsabtretungen noch mit einbezieht.

Als auch noch die Wirtschaftskrise 1929 hereinbrach, schaffte es schließlich eine kleine Splitterpartei 1933 an die Macht. Dies ist natürlich nur eine einfache Darstellung der Machtergreifung. Die Menschen erhofften sich etwas von den Nationalsozialisten, etwas neues, vielleicht besseres! Doch was sie letzten Endes bekamen war einer der schrecklichsten Kriege, den die Menschheit je erlebt hatte. So stehen wir heute an einem Mahnmal, welches uns an die Gefallenen dieser Kriege erinnern soll, die entweder Lehrer oder Schüler an dieser Lehranstalt waren, zu der wir uns als Ernst-Albertiner verbunden fühlen. Dieses Mal soll an ihren Tod erinnern und eine Ermahnung zum Frieden sein!

Und wir sollten uns dazu verpflichtet fühlen und es nicht als gleichgültig hinnehmen, dass sie Opfer einer aggressiven Politik wurden, sondern es als Zeichen sehen und derartiges nicht mehr zulassen! Doch wie erreichen wir das? Ein Punkt, den die Nazis anwendeten, war der gezielt eingesetzte Hass auf Andersdenkende, der in jeglichen politischen Extremen auch heute noch sehr beliebt ist, sei es rechts oder links. Wir müssen genau da Akzeptanz und Toleranz zeigen, um ein deutliches Zeichen zu setzen, ein Zeichen gegen politische Extreme! Und dann erst ist der Schritt getan in Richtung Akzeptanz und in Richtung „Nein sagen“ zu Extremen und zu einem friedlichen Miteinander der Völker, nicht nur zu einem Zusammen. Ein bloßes Zusammenleben schafft nur Misstrauen und Unverständnis. Leute leben nebeneinander, ohne genug über den „anderen“ zu wissen oder überhaupt wissen zu wollen. Das schürt Klischees, Unverständnis und am Ende vielleicht sogar Ablehnung und Gewalt.

Dies müssen wir uns immer vor Augen führen, meine lieben Bundesbrüder: Ausgrenzung und Ablehnung von anderen schafft keine Basis für ein Miteinander und ist ein Zeichen politischer Extreme. Gerade wir als Verbindung, in der meistens verschiedene Positionen und Meinungen aufeinandertreffen, können ein Vorbild sein und ein Zeichen setzen. Was passiert, wenn dies nicht geschieht und der Extremfall eintritt, das sehen wir hinter diesem Kranz.

 

Zurück zur Vortragübersicht