TOTENEHRUNG ZUM 91. STIFTUNGSFEST

Rede anlässlich des 91. Stiftungsfestes am 30.07.2011 von

AH Barbarossa

Liebe Bundesbrüder,

Ich möchte Euch recht herzlich zu einigen Minuten des Innehaltens hier am Ehrenmal zum Gedenken der Gefallenen und Verstorbenen willkommen heißen.

Warum betone ich „einige Minuten des Innehaltens“?

In einer Welt von Internet, Handy, Computern, Autos und Schnellzügen bis hin zu Skype verlieren wir die wertvollen Augenblicke des Luftholens für die Seele. Uns ist gänzlich verloren gegangen, innezuhalten und nachzudenken, denn meist berieselt uns in diesen Momenten der Fernseher. Umso wichtiger sind Momente wie dieser, wo wir zusammengekommen sind, um uns zu erinnern.

Erinnern woran?

66 Jahre nach Kriegsende versammeln wir uns und gedenken der Bundesbrüder, welche den Wahnsinn des Dritten Reiches mit dem Leben bezahlt haben. Blicke ich in die Runde, so finde ich niemanden, der diese jungen Männer gekannt haben könnte.

Also warum halten wir inne? Warum gedenken wir?

Natürlich könnte man nun antworten: Weil es unsere Pflicht ist! Leider beobachtet man heute zu oft, dass aus dem Begriff der Pflicht eine Eventualität geworden ist. Pflichtgefühl ist es also nicht oder nicht allein. Auch könnte es daran liegen, dass es ein Programmpunkt im Verlauf des Stiftungsfestes ist, der mit einem „kann“ belegt ist. Dies würde zumindest erklären, warum nicht alle in Coburg befindlichen Ernst-Albertiner hier stehen. Für viele ist es ein „kann, muss aber nicht“ geworden.

Doch sind dies nicht die Gründe, warum wir mitten im Leben anhalten, innehalten und uns besinnen. Es sind die Gründe der Theatermaske: das lachende und das weinende Auge.

Das lachende Auge liefert uns den Grund, warum wir gedenken: wir tun es mit Freude und aus freien Stücken. Wir gedenken der Tatsache, dass sie einst, wie wir heute, fröhlich singend in der Runde saßen, das schwarz-silber-rote Band um die Brust und ihres Lebens froh waren. Sie sind dadurch ein Teil von uns selbst und wir ihr Spiegel durch die Zeiten.

Das weinende Auge bringt den Ernst in diese Augenblicke des Verharrens: denn wo sie doch so fröhlich sangen und glücklich unter der Krone Frankens lebten, so wurden sie doch zu den Waffen gerufen, vermeintlich das Reich zu schützen, und in den Tod getrieben. Das weinende Auge der Maske drückt die Träne aus, welche uns im Herzen und auf der Seele liegen sollte, denn durch den frühen Tod wurde uns ein Teil des Schatzes der Ernesto-Albertina genommen: geliebte Bundesbrüder. Wir stehen also hier, um uns der Juwelen zu erinnern, die uns durch den Tod genommen wurden, einst in Kriegswirren dahingerafft. Und danach?

Es ist der Lauf der Welt, dass Männer hinzu kamen, mit uns ihr Leben geteilt haben und dann das Glück hatten, in Friedenszeit und im hohen Alter zu entschlafen. Viele kennen wir auch von ihnen nicht mit Namen, doch möchte ich stellvertretend für sie alle zwei nennen: AH Königstein und AH Pittroff. Zumindest für mich, und ich hoffe auch für viele von Euch, die sie noch kennen lernen durften, gehören sie zu den Kronjuwelen des Bundes und meiner Jugendzeit. Auch ihrer sei hier gedacht.

Und nun?

Die wenigen Minuten des Innehaltens sind fast vorüber und kurz haben wir uns in der Zeit zurückversetzt. Doch mit welchem Gefühl verlassen wir gleich diesen Ort? Ich wünsche uns allen, dass dieses Gedenken, diese wenigen Minuten mit wertvollem Inhalt, noch einige Stunden in uns nachklingen und vielleicht heute Abend zu fruchtbaren Gesprächen Anlass geben. Und ein weiterer Wunsch möge uns durch das Jahr begleiten: dass uns das Gedenken an unsere verstorbenen Bundesbrüder auch unter den Tagen und Wochen ereile und wir nicht erst wieder in 365 Tagen daran erinnert werden müssen, einige Minuten inne zu halten und zu gedenken.

 

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