DAS COBURGER BIER

Festrede anlässlich des 91. Stiftungsfestes am 30.07.2011 von

AH Af

Verehrte Gäste, liebe Bundesbrüder,

es ist mir eine Ehre, den heutigen Festvortrag halten zu dürfen. Nachdem gestern Abend der 1. Ernesto-Albertina-Kellerbiergarten mit fränkischem Bier und Coburger Bratwürsten eröffnet wurde, möchte ich Euch heute über das „Coburger Bier“ berichten.

Urkundlich lässt sich nicht nachweisen, seit wann Coburger Bier gebraut wurde. Der wohl älteste Bericht hierüber ist in der alten Stadtchronik nachzulesen:
„1399 war der Ruf des Coburger Bieres schon so weit gedrungen, dass ehrbare Bürger von Kreuzburg an der Werra nach Coburg zu Bier gingen.“ Der Anführer dieser Bürger, ein Curt Henning, fragte zuvor seine Mitstreiter: „Wollen wir nun zu Biere gehen?“ Diese antworteten: „Ja, wenn gutes feil wäre.“ Und so kamen sie nach Coburg, blieben mehrere Tage hier und „saufen sich dick und voll.“

Der gute Ruf des Coburger Bieres wird auch später immer wieder in Berichten und Gedichten hervorgehoben. So erzählt uns der Coburger Lehrer und Heimatforscher Heinrich Langbein, dass das erste Braurecht in Coburg bereits im Jahre 1470 einem Hansen Hauck aus dem Steinweg erteilt wurde.

In dem alten Zeitungsbericht „Coburg war immer ein Bierparadies“ ist nachzulesen, dass die Stadt Coburg 1438 vom Kurfürsten Friedrich dem Streitbaren die Vergünstigung erhielt, eine Steuer auf das beliebte Bier und den Wein einzuführen, um dadurch die Finanzierung einer neuen Straßenpflasterung sicherzustellen.

Noch eine interessante Geschichte über das Coburger Bier: Bei einem in Coburg im Jahre 1567 abgehaltenen Landtag nahmen insgesamt 121 Personen teil. Zu der üppigen Festtafel wurden außer vielem Wein noch 200 Eimer Coburger Doppelbier, 60 Eimer Weizenbier, 4 Fässer Coburger Hofbier und 2 Fässer Frankenmooser Bier mit zusammen 150 Hektolitern gereicht. An acht Beratungs- und Festtagen für 110 Rittersleute und 11 Stadträte sei dies „ein ganz gehöriges Quantum“ gewesen.

Die Coburger Herzöge hatten offensichtlich stets eine positive Beziehung zum Bier. So berichtet Dr. Beck in der Festschrift des Gymnasiums Casimirianum aus dem Jahre 1905, dass schon Herzog Casimir, welcher von 1568 bis 1633 regierte, „einem guten und reichlichen Trunk auch selbst nicht abgeneigt war“. Dieser Schrift ist weiter zu entnehmen, dass nach der Hausordnung der von Casimir gegründeten Schule, welche übrigens auch der Vater von Johann Wolfgang von Goethe besuchte, jedem der hier „wohnenden und verköstigten Alumnen“ (Internatsschüler) sowohl mittags als auch abends jeweils „eine Maß Bier in zinnernen Kannen auf den Tisch gestellt“ werden müsse. Nachdem gegen die tägliche Verabreichung von zwei Maß Bier von einem Lehrer angekämpft wurde, sprach der Direktor Labavius mit Entrüstung: „Die Knaben müssen alle Tag zwei Maß Bier austrinken! Nur so würden sie nachher wohl auf hohen Schulen geraten.“

Weiter heißt es, dass bei solcher Ansicht des Direktors dem Biergenuss auch außerhalb der Schule stark gehuldigt wurde – wohl durch die Vorgänger der heutigen Coburger Schülerverbindungen – und nächtliche Ausschreitungen immer wieder vorkamen. Bezeichnend war, dass es vor dem Eintreffen des Landesfürsten, der nach 1640 in Altenburg residierte, in einem Anschlag des Direktors heißt: „Hütet euch in diesen Tagen vor Saufen und nächtlichem Brüllen, sonst gebt ihr dem Fürsten ein Ärgernis.“

Zur gleichen Zeit, nämlich 1632, belagerte Feldherr Albrecht von Wallenstein die Veste Coburg. Der auf der Veste stationierte Konstabler Konrad Rüger beschoss am 30. September 1632 die Feinde mit seiner Feldschlange. Dabei schlug eine Kugel direkt vor Wallensteins Pferd ein und bedeckte diesen mit Staub und Steinen. Bereits am 5. Oktober musste Wallenstein unverrichteter Dinge wieder abziehen. Dem Konstabler Rüger zu Ehren wurde später nicht nur ein Gastraum in den früheren Coburger-Hofbräu-Stuben nach ihm benannt, sondern durch Wilhelm Albrecht sogar ein Gedicht gewidmet, welches ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Drum schweiget still und gebet acht,
Der Kerl, der war nicht ohne,
Hielt auf der Veste Coburg Wacht
Und stand an der Kanone,
Und neben ihm stand am Visier
Ein voller Humpen: COBURGER BIER.

Und nahm er etwas auf die Muck,
Da hat er’s auch getroffen,
Dann hat er einen kräftigen Schluck
Aus seinem Krug gesoffen.
Wohl tausend Feinde schoss er tot
Nach wahrheitstreuer Schatzung,
Und wenn der Mut zu sinken droht‘,
Dann sprach er zur Besatzung:
Wir halten aus und bleiben hier
Und wär’s nur um das COBURGER BIER.

Der Wallenstein war schlimmer noch
Als Blücher und auch Seidlitz,
Mein Rüger keck beschoss ihn doch:
Als er anritt von Creidlitz.
Da ward dem Feldherrn angst und bang,
Musst Sand und Erde spucken
Und konnte vierzehn Tage lang
Nicht nach den Sternen gucken,
Erholte sich nur langsam schier
Bei einem Kruge COBURGER BIER.

Nachdem der Tourismus in Coburg Mitte des 19. Jahrhunderts langsam einsetzte, erschienen auch Reiseführer über das Coburger Land. Im von Langbein herausgegebenen „Illustrierten Führer“ wird die Stadt nicht nur von ihrer schönsten Seite verherrlicht, sondern auch das heimische Bier gepriesen.

Berühmt ist das Coburger Bier, das bei vorzüglicher Qualität meist mit 10 Pfennig für die Halbe zum Aussschank kommt. Als im „Bierparadies“ Coburg der Bierpreis auf 12 Pfennige erhöhte werden sollte, kam es zu massiven Protesten in der Bevölkerung. Man forderte, den Preis für die Coburger beim alten zu belassen und eine Erhöhung nur für Fremde zu gestatten. Letztendlich blieb es zwar beim alten Preis, das ausgeschenkte Bier jedoch wurde von 0,5 Liter auf 0,4 Liter reduziert.

Man war damals nicht nur um nächtliche Ruhe besorgt, indem ein Verbot von „ruhestörendem Lärm auf dem Heimweg vom Wirtshaus“ erlassen wurde, sondern auch auf die Reinhaltung der Straßen. Letztere durfte auch von „heimkehrenden Biergästen durch schlechte Manieren nicht beeinträchtigt werden“. Ein entsprechendes Vergehen kostete 1806 dem in Coburg lebenden Jean Paul einen Reichstaler Strafe. Für den Dichter, der in seinem Haus direkt neben dem Ernst-Albertiner-Haus wohnte, hatte Bier wohl eine größere Bedeutung. So beklagte er sich in Briefen über die Verbrauchssteuer, welche auf das von ihm bevorzugte Getränk erhoben wurde, und darüber, dass ihm einmal von einer Brauerei ein leeres Fass geliefert, ein anderes Mal ein volles gestohlen wurde. Er bezeichnete das Bier als seine „vorletzte Ölung, sein Heilwasser“.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestanden in der 145.000 Einwohner zählenden Stadt Coburg noch 43 Brauereien. Die meisten dieser überwiegend kleinen Betriebe schenkten ihr Bier wohl vorwiegend in ihren eigenen „Gasthaus-Brauereien“ aus oder verkauften dieses über die Straße. Viele von ihnen wurden zwischen 1860 und 1890 gegründet, hielten sich jedoch nur wenige Jahre.

Wer weiß denn heute noch, dass im früheren Rizzi-Bräu in der Judengasse der Bäckermeister und Gastwirt Carl-August Flinzberg einen eigenen Haustrunk braute. In der „Lore“ braute ebenfalls ein Bäcker und Gastwird namens Tobias Philipp Frommann, im früheren „Ratskeller“ braute Heinrich Grasser sein eigenes Bier. Im „Goldenen Anker“ in der Rosengasse schänkte Wolfgang Land und in der heute dazugehörenden „Tante“ Louise Fanzlein ihr Selbstgebrautes aus.

Sowohl manche Gastwirte als auch viele Bürger brauten selbst in den Coburger Commune-Brauhäusern. Das älteste gab es im Oberen Bürglaß, im Gebäude der heutigen ASCO. Für dieses Haus wurde bereits im Jahre 1470 einem Hansen Hauck das Braurecht erteilt. 1484 wird eine weitere Communen-Brauerei als „Braustadt in der Steingasse“ erwähnt. Eine alte Gedenktafel ziert noch heute das Gebäude Steingasse 5, in welchem das Stadtarchiv untergebracht ist.

Der Ursprung der dritten kommunalen Brauerei, welche sich zunächst im Rittersteichschlösschen (heute: Staatliches Bauamt Bamberg, Bauleitung Coburg) befand, geht auf das Jahr 1698 zurück. Eine vierte Commune-Brauerei befand sich in der Metzgergasse und wurde in den 1860er Jahren in Betrieb genommen.

Auch die größeren Brauereien in Coburg entstanden alle im 19. Jahrhundert. Es handelte sich um die „Vereinsbrauerei“ – heute „Utopolis“-Gebäude, um die Brauerei Bonengel im Oberen Bürglaß – heute „Maccaroni“, um Heinrich Grasse am Neuen Weg – heute „Wein Schuhmann“.

An die letzten der erinnert Ihr euch alle noch: das Hofbrauhaus Coburg, als Aktienbrauerei gegründet – Schließung 1981, „Brauerei Scheidmantel“ – Schließung 1999 und die „Sturm’s –Brauerei“ – Schließung 2011. Heute wird in Coburg selbst traurigerweise überhaupt kein Bier mehr produziert.

Von den rund 100 Brauereien, die es einmal im Landkreis Coburg gab, existieren heute gerade noch fünf kleine Betriebe sowie Communen-Brauereien. Es handelt sich um Grosch in Rödental, Murmann in Untersiemau, Eller in Birkach, Schleicher in Kaltenbrunn und Scharpf in Heilgersdorf. Die Communen-Brauhäuser befinden sich in Seßlach, in Unterelldorf bei Seßlach, in Roßfeld sowie in Rossach, wo erst vor genau fünf Wochen das 300. Jubiläum des Brauhauses gefeiert werden konnte.

Es bleibt zu hoffen, dass uns diese wenigen Coburger Dorfbrauereien noch lange erhalten bleiben.

In diesem Sinne: Prost!

 

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