TOTENEHRUNG ZUM 93. STIFTUNGSFEST

Festrede anlässlich des 93. Stiftungsfestes am 22.06.2013 von

AH Prot

 

Liebe Bundesbrüder,

 

bei vielen Vereinen findet anlässlich der Jahreshauper Begrüßung fordert der Vorsitzende die Anwesenden auf, sich von den Plätzen zu erheben. Dann liest er die Namen der im letzten Jahr verstorbenen Vereinsmitglieder vor. Die Versammelten bleiben ein paar Minuten mit gesenktem Haupt im stillen Gedenken stehen, bis der Vorsitzende „Danke“ sagt. Dann setzen sie sich wieder.

 

Auch wir Ernst-Albertiner gedenken unserer Toten. Aber wir tun dies als eigenen Programmpunkt im Rahmen unseres Stiftungsfestes, und zwar hier am Ehrenmal des Albertinums. Und wir denken dabei nicht nur an die im letzten Jahr verstorbenen Bundesbrüder, sondern auch an die in den beiden Weltkriegen Gefallenen, von denen diese beiden Mahnmale zeugen.

 

Leider nehmen wegen des zeitlichen und örtlichen Abstands zu den anderen Veranstaltungen nur wenige Bundesbrüder an dieser Gedenkfeier teil. Ich selbst muss zugeben, dass ich in den letzten Jahren auch nur ein einziges Mal dabei war. Mit der Übernahme der Gestaltung der „Totenehrung“ in diesem Jahr hatte ich zwar eine zusätzliche Arbeit. Aber auf der anderen Seite bin ich auch dankbar, dass ich mit diesem Punkt des Stiftungsfestes einmal auseinander setzen musste.

 

So bin ich vor ein paar Tagen eigens hierher gelaufen, um mir das Ehrenmal noch einmal genauer anzuschauen. Ich habe dabei festgestellt, dass es sich um zwei Gedenksteine handelt. Auf dem älteren befinden sich die Jahreszahlen 1914-1918 und 1939-1945 sowie wenige Namen auf der einen Seite (die Namen der Gefallenen des 1. Weltkriegs). Auf dem zweiten, größeren Stein stehen wesentlich mehr Namen (die der Gefallenen des 2. Weltkriegs): Auf dem ersten Stein sind auch die Worte „Für uns“ zu lesen. Ich habe mich deshalb gefragt: „Stimmt diese Überschrift? Und wenn ja, inwiefern?“

 

Die Männer, deren Namen in Stein gehauen wurden, sind alle als Soldaten im 1. und 2.  Weltkrieg gefallen. Sie waren Lehrer oder ehemalige Schüler der Vorgängerschulen des heutigen Gymnasium Albertinum. Als junge Leute, die gerade eine Anstellung gefunden hatten, als Studenten oder gar noch Schüler meldeten sie sich zum Wehrdienst oder wurden „eingezogen“, wie man damals sagte. Es ist einfach schrecklich, was ihnen diese Kriege zugefügt haben! Ihr junges, hoffnungsvolles Leben wurde ihnen durch einen Gewehrschuss, eine Granate oder eine Bombe geraubt. Schrecklich auch, welches Leid mit diesem Töten den Angehörigen zugefügt wurde!

 

Ich war als Kind gerade bei Verwandten in Römhild zu Besuch, als die Nachricht vom Tod meines im Krieg gefallenen Cousins eintraf. Die ganze Familie war plötzlich wie am Boden zerstört. Alle saßen weinend fast den ganzen Tag am Tisch oder in einer Ecke des Wohnzimmers. Diese Nachricht war für Eltern und Geschwister einfach unfassbar.

Ihr, liebe junge Bundesbrüder, kennt die Weltkriege nur vom Geschichtsunterricht. Aber ich selbst habe noch den letzten Krieg war nicht an der Front, aber in der Heimat miterlebt. Erst bekamen wir ja nicht viel mit, außer dass der Vater weg war und nur selten kurz nach Hause durfte und die wirtschaftliche Notlage, wo es nur noch Nahrungsmittel auf Lebensmittelkarten zu kaufen gab und manches wie Schokolade und Bananen gänzlich fehlte. Aber in den letzten Kriegsjahren wurden wir nachts immer häufiger von den Sirenen aus dem Schlaf gerissen und mussten uns eilends in die Luftschutzbunker begeben. Wie haben wir da oft um unser Leben gebangt! Einer meiner Erfurter Klassenkammeraden ist bei einem solchen Bombenangriff ums Leben gekommen.

 

Darum ist es heute wichtig, die Erinnerung an diese schlimme Zeit wach zu halten und auch der Toten der Kriege zu gedenken – nicht nur der Gefallenen an der Front, sondern aller im Krieg Getöteten. Gottseidank sind auf den Trümmern dieser Kriege und über den Gräbern der Kriegsopfer neue Einsichten entstanden, haben sich Versöhnung, Freiheit und Freundschaft entwickelt. Dafür sind wir heute, gerade auch bei einer solchen Gedenkfeier, dankbar.

Wir wollen jetzt aber nicht nur an die Kriegsopfer denken, sondern in unsere „Totenehrung“ auch die seit 1945 verstorbenen Bundesbrüder einschließen, die unsere Schülerverbindung mit getragen, geprägt und belebt haben. Besonders denken wir in diesem Moment noch einmal an unseren Ende November vorigen Jahres verstorbenen  jüngsten Bundesbruder Arthur Fehn, der nach schwerer Krankheit schon so bald sterben musste. Wir haben ja fast alle mit ihm gelitten und gebangt. Von seinem Tod waren wir, besonders seine Schulkammeraden, tief betroffen.

Ich hoffe, dass seine Angehörigen und auch ihr, liebe Aktive, einigermaßen Trost gefunden haben. Wir wollen heute anlässlich dieser „Totenehrung“ Arthur sowie die Getöteten der Weltkriege und auch alle bisher verstorbenen Bundesbrüder noch einmal der Gnade Gottes anbefehlen. Ihnen allen wollen wir auch in Zukunft ein ehrendes Andenken bewahren.

 

 

Zurück zur Vortragübersicht